Wednesday 19 October 2011

Ja, auch in Südafrika gibt es Langeweile...

Hallo alle zusammen,


 heute gibt es also gleich 2 Blogeintraege... Und gleich erstmal 'ne kleine Richtigstellung: das Township in dem ich bei Cynthia N. Xaba wohne heißt nicht Mthezi (was eignetlich auch UMtshezi heißt) sondern Wembezi. UMtshezi ist der Zuluname von Estcourt und übersetzt heißt das so viel wie „Stadt die immer Wasser hat“. Was Wembezi bedeutet konnte mir niemand sagen.


Abgesehen von der unten beschriebenen „Church Choir Music Competition“ waren die letzten Wochen relativ langweilig. Eine Woche hatten wir hier Ferien, was für mich keine Arbeit in der Creche und viiiiel freie Zeit bedeutete... Aber auch wenn ich in der Creche arbeite und Nachmittags dann alle Kinder weg sind, kommt Langeweile auf.



Der Spielplatz hinterm Haus
(Sicherheitsbedenken muss man da ausser Acht lassen)

Ab und zu trifft man jemanden den man kennt, sonst Fernsehen (4 Kanaele und auf Zulu oder Afrikaans), lesen, mit Nachbarskindern spielen und da ich ja zum Glück im Besitz eines Laptops und einiger Medien bin, kann ich mir die Zeit auch gut anders vertreiben. (Hier nochmal ein Dankeschön an gewisse Personen dafür ^^) Und da ich in Sthi, der Nichte von Cynthia, die mit hier im Haus wohnt, eine gute Freundin gefunden habe, verbringt man dann zusammen die langweilige Zeit. Und vielleicht ergibt sich auch die Moeglichkeit Kontakt mit einer deutschen aufzunehmen, die in der Stadt bei einer Familie wohnt und hier zur Schule geht. Das hab ich von einer netten Mitarbeiterin der meth. Kirche in der Stadt erfahren. (In diese Kirche gehen die meisten Weissen Methodisten)
Die Kinder teilen meistens ihre Chips grosszuegig
mit den anderen, in dem sie sie auf den Boden schuetten
und dann alle drum herum sitzen und sich bedienen.
Oft wird auch der Joghurt als Dip benutzt...)

Wenns mal in die Stadt geht ist das schon mal 'ne Abwechslung.

In die Stadt kommt man mit einem 15-Personen-Tayi, welches meistens auch wirklich nur diese 15 Personen transportiert. (Abgesehen von dem einen Mal, als ich mit der Sunday School mit nach Durban gefahren bin und wir mit 28 Kindern und Frauen in einem solchen Taxi in die Stadt zum Bus gefahren sind)


Was die Stadt betrifft, naja... alles ziemlich dreckig und ungemütlich. Den auch hier ist der Müll ein großes Problem, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern. Der Müll wird fallen gelassen, wo man gerade geht und steht. Und die Kinder lernens von ihren Eltern. Manchmal, wenn die Kinder in der Creche keine Lust haben, zum Mülleimer zu gehen, schmeißen sie es einfach vor die Tür und machen diese wieder zu.
Und Mülltrennung bzw. Recycling gibt es hier auch nicht. Alles in einen Pott und wenn der voll ist, wird der entweder in einem großen Container, der an der Straße steht entleert, oder wenn das zu mühsam ist, auf einem abgelegenen Teil des Grundstücks verbrannt...
Ich bin zum Glück noch nicht zu so einem Rummüller geworden und werde es auch hoffentlich nicht. Ich trage meinen lästigen Müll stolz zum nächsten Mülleimer. 

Und wie man es von Südafrika oft hört, spielt auch in Estcourt Kriminalität eine Rolle. Ob es nur im kleinen Stil ist (KFC, Spirituosengeschäft etc. sind am Tresen vergittert; wenn man einem Klamottengeeschäft verlässt, wird die Handtasche überprüft) oder im großen. So habe ich nebenbei meinen ersten Bankraub miterlebt...also nicht hautnah. Wir (Nomah, die Tochter Cynthias; die beiden Enkellinnen und ich) saßen im Auto, während Cynthia „bankstuff“ zu tun hatte. Auf einmal rannten auf der gegenüberliegenden Straßenseite Leute schreiend davon, die vorher noch in der Schlage vorm Bankautomaten standen. (Ja richtig gehört, meterlange Schlangen vor den Bankautomaten; Geldabheben ist hier nicht immer mal schnell möglich,wenn man Pech hat muss man sich für sein Geld anstellen) Jedenfalls fühlte ich mich fast wie im Film, als sich eine Frau, sich schützen hinter unser Auto kauerte und 3 Polizeiwagen an uns vorbeirauschten. Keine 10 Minuten später, war alles wir vorher, als wäre nichts geschehen und die Leute standen wieder in der Schlage. Laut Nomah, passiert das hier mind. einmal in 2 Monaten...    

Unsere Kirche in Wemezi (Hiten wird gerade angebaut, da
sie doch immer oefter doch zu klein ist.)


Was gibt es noch zu erzählen...
Viele fragen mich hier wie das Wetter in Deutschland ist und ob man es mit SA vergleichen kann. Naja, teilweise schon, teilweise nicht. Es ist auf jeden Fall wärmer. Selbst jetzt im Frühling werden schon oft Temperaturen um die 30 Grad erreicht, mit einer hoch stehenden Sonne. Woran ich mich aber immer noch nicht ganz gewöhnt habe, sind die schnellen Wetterwechsel. Es kann schönstes Wetter sein und keine 2 Stunden später zieht es zu und wird ziemlich kalt. Und wenn man Pech hat, werden dann die nächsten Tage genauso kalt, regnerisch und grau. Und da es hier keine Heizungen gibt und die Sonne auch schon gegen 18:30 unter geht, findet man sich dann zu dieser Zeit auch schon oft im Bett.
Das mit dem zeitigen Sonnenuntergang ist wirklich nervig, denn selbst im Sommer geht sie nicht später als 20 Uhr unter und im Winter sogar schon gegen 16 Uhr.... Zum Glück verpasse ich den „harten“ Winter hier. =)
Aber von Eis bleibt man auch nicht im Fruehling verschont. Heute auf dem Weg zum Internet Cafe sind wir in einen ziemlich krassen Hagelsturm geraten. Die ganze Strasse weiss und ein Riss in der Frontscheibe...

Ok, das wars mal wieder von mir. Aber evtl. bekomme ich Internet in Wembezi, da Cynthia irgendwo im Haus anscheinend einen Router rumliegen hat...
Vielleicht klappts ja und ich kann öfter ins Netz und ihr müsst dann auch nicht so ellenlange Einträge ertragen. =)

Bis dahin,
eure Sophie

„Church Choir Music Compedtion“ - oder auch 8 Stunden am Stück Chorgesänge

Am Samstag, den 1. Oktober, fand in Mthatha die „Church Choir Music Competition“ der „Connexional-Music- Association“ statt. Eingeladen waren 10 Kirchenchöre aus den verschiedenen Distrikten Südafrikas und auch aus Swasiland, Lesotho und Namibia war jeweils ein Chor vertreten.

Ich wurde von unserem Distrikit-Kirchenchor eingeladen, sie zu begleiten und zu unterstützen. Für uns gings schon am Freitag mit einer knapp 8 stündigen Busfahrt los (ca. 500 km). Allein das war schon ein Erlebnis an sich, mit dröhnender Musik aus den Lautsprechern, überall Gepäckstücken und großem Fressgelage. Dabei musste ich an die deutschen Busfahrer denken, die dabei wohl schon längst einen Herzinfarkt bekommen hätten. Ich hab die meiste Zeit einfach aus dem Fenster geschaut und die Landschaft beobachtet.

Manchmal, wenn kein Dorf zu sehen ist, könnte man denken, dass gleich ein Löwe hinterm nächsten Baum hervorgesprungen kommt. Aber dem ist ja leider nicht so, oder auch zum Glück? Wenn man dann wieder in ein Gebiet kommt, in dem Menschen wohnen (wenn es auch nur ein paar kleine Hütten sind), ist es erschreckend zu sehen, in welchen ärmlichen Verhältnissen und wie abgeschieden von der „modernen“ Zivilisation manche leben. Wenn das hier in Südafrika schon teilweise so krass ist (einem der wohlhabenderen Länder Afrikas/wenn nicht sogar das wohlhabendste), wie muss das dann erst in einem der ärmeren Länder sein? Und für mich als Klein- bzw. Großstadtkind unvorstellbar.

In Mthatha angekommen, verbrachten wir eine Nacht in einem Youth Hostel und am nächsten Tag dann auf zum Wettkampf. Der begann gegen 11 Uhr dann endlich, mit knappen zwei Stunden Verspätung,  obwohl der Zuschauerraum noch immer ziemlich licht war.


Unser Chor aus Estcourt (Distrikt KwaZulu-Natal West)

Die 10 Kirchenchöre „kämpften“ in sieben Kategorien um Pokale, Anerkennung und zum ersten mal auch Preisgeld. Unser Chor trat in fünf Kategorien an, die anderen beiden wurden von einem  anderen Chor hier aus dem Distrikt übernommen (eine Kategorie davon war der Wiener Walzer von Strauss ^^). Die meisten der Chöre waren wirklich beeindruckend. Bei der Probe war ich ja schon begeistert, aber als es dann um alles ging... echt so guten Chorgesang hab ich noch nicht gehört. Selbst wenn man das selbe Lied 10 mal hintereinander hört, ist es immer noch atemberaubend.

Chormitglieder, ich und Sthi (die Nichte Cynthias) mit den Pokalen
Da wie gesagt jeder Chor jedes Lied singen musste, zog sich das Ganze ganz schön in die Länge. Gegen 20 Uhr waren dann endlich alle Chöre durch und es ging zur Preisverleihung. Die Halle war mittlerweile auch schon proppe voll, keine Ahnung wie viele Leute, zu viele. (Und ich war wirklich die einzige Weiße im ganzen Saal, also abgesehen von 2 Albinos). Unser Chor sahnte tatsächlich 3 Preise ab: 1. Platz Western Song, 2. Platz African Song und 2. Platz Male Voice.  Ich persönlich fand die beiden zulusprachigen Songs am besten (African Song und Male Voice). Ich wünschte ihr hättet das hören können, das Lied der Männer geht mir selbst jetzt noch, 3 Wochen nach der Veranstaltung, im Kopf rum.

Jedenfalls gings am gleichen Abend wieder nach Hause, nachdem vor unserem Bus gefeiert , Fotos mit den Pokalen geschossen und der Conductor in die Luft gehoben wurde. Gegen 23 Uhr sind wir los und waren gegen 7 Uhr hier in Estcourt.
Als wir dann endlich hier im Haus angekommen waren, wollte ich eigentlich nur noch ins Bett und schlafen, aber nein ich wurde gebeten in der Kirche noch einen kleinen Bericht über unseren Trip zu geben. Und da ich ja so nett bin, hab ich das natürlich gemacht.

Ich hoffe, den Chor noch mal begleiten zu können, denn das ganze war wirklich sehr eindrucksvoll und ich hab dabei auch viele nette Menschen kennen gelernt.

Wer mal die Möglichkeit hat zu so einem Event zu gehen, sollte diese wirklich nutzen.